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Suizidprävention: Filmabend "Dem Himmel zu nah"

04.12.2017 11:31

Suizidprävention: Filmabend "Dem Himmel zu nah"

Durchschnittlich nehmen sich in der Schweiz jeden Tag drei Menschen das Leben. Dennoch sind Suizid, Suizidversuche und Suizidabsichten weiterhin ein Tabuthema, über das kaum gesprochen wird. Wie kann betroffenen Personen geholfen werden? Und was bedeutet ein Suizid für die Angehörigen? Um diese Themen ging es am Donnerstag, 30.11.2017 im Kinok in St. Gallen beim Film "Dem Himmel zu nah" mit anschliessendem Podiumsgespräch.

Seit mehreren Jahren lädt das Ostschweizer Forum für Psychische Gesundheit gemeinsam mit dem Kinok jeweils im November zu einem Filmabend rund um das Thema psychische Gesundheit und psychische Erkrankungen ein. Das Ziel ist es, über psychische Erkrankungen zu sprechen, für psychische Leiden zu sensibilisieren und sich für Prävention, Früherkennung und Entstigmatisierung stark zu machen.

Voll besetzter Kinosaal

Am Donnerstag, 30. November 2017, stand der Film "Dem Himmel zu nah" der Regisseurin Annina Furrer auf dem Programm. Der tiefe Schock nach dem Suizid ihres Adoptivbruders Marius und die traumatischen Erinnerungen an damals, als sich Jahre zuvor bereits ihre jüngere Schwester Bethli das Leben genommen hatte, bringen Annina Furrer an ihre Grenzen. Mit der Kamera begibt sie sich auf eine Spurensuche in der eigenen Familiengeschichte: Was hat ihren Bruder und Jahre zuvor ihre Schwester dazu getrieben, sich das Leben zu nehmen? Auf den ersten Blick waren beide gut eingebettet in eine glückliche Familie mit fürsorglichen Eltern. Es fehlte weder an Geld, noch an Verständnis oder Liebe. Ab wann rieselte der Sand ins scheinbar intakte Familiengetriebe?

Die Autorin findet keine einfachen Antworten, viel mehr Vermutungen, Erinnerungen und eine Palette von Möglichkeiten. Dabei kommen neben Familienangehörigen auch ein Psychiater, ein Bestatter sowie Marius und Bethli selber zu Wort: in berührenden Tonbandaufnahmen, Briefen und Zeichnungen. Ruhig und sensibel wirft der Film existenzielle Fragen auf – und stellt dem Tod das Leben entgegen.

Über Suizid sprechen

Nach dem Film sprachen die Regisseurin Annina Furrer, Barbara Stehle von der Fachstelle Trauer nach Suizid und Dr. med. Thomas Maier, Chefarzt der Psychiatrie St.Gallen Nord unter der Leitung von Jürg Engler vom Ostschweizer Forum für Psychische Gesundheit über die Auswirkungen eines Suizids auf die Angehörigen und die Möglichkeiten für Unterstützung – sowohl von suizidgefährdeten Personen als auch von ihren Angehörigen. Regisseurin Annina Furrer beschrieb die Arbeit am Film über ihre Familie als eine Notwendigkeit, die ihr geholfen habe, ihr Trauma zu verarbeiten. Wie wichtig es ist, Suizid zum Thema zu machen und über psychische Erkrankungen, Krisen und Suizidalität, aber auch über die Ängste, die Wut und die Trauer von Angehörigen zu sprechen, wurde immer wieder betont: Barbara Stehle sagte, für viele Angehörige sei es etwas vom Schlimmsten, in ihrem Umfeld nicht über das Thema Suizid sprechen zu können. Die Verunsicherung von Freunden und Familie im Umgang mit diesem Thema führe dazu, dass Angehörige mit ihrem Schmerz und ihren Fragen allein blieben und von ihrem Umfeld isoliert würden.

Chefarzt Thomas Maier empfahl, auch Suizidgedanken oder die Befürchtung, jemand könnte Suizidabsichten haben, möglichst offen anzusprechen. Dies könne zu einer Entspannung der Situation führen und Betroffenen ermöglichen, frühzeitig professionelle Hilfe in Anspruch nehmen. Denn Suizidgedanken sind oft lange vor einer tatsächlichen Handlung vorhanden und nehmen im Laufe der Zeit immer konkretere Gestalt an. Dies kann dann in emotionalen Extremsituationen zu einer Kurzschlusshandlung führen. Sowohl für Betroffene als auch für Angehörige ist es daher zentral, dass das Thema Suizid offen thematisiert werden kann. Annina Furrer hat mit ihrem berührenden Film dazu einen wichtigen Beitrag geleistet.

Themen: Depression / Burnout, Psychische Erkrankungen, Psychische Krisen
Projekte: Ostschweizer Forum für Psychische Gesundheit, Bündnis gegen Depression
Regionen: Region St.Gallen, SG Kanton St. Gallen